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Text von Cora Fischer Cremer
Collageartig komponiert Masahito Naoko Okamato seine Gemälde, in denen sich Zitate aus den Bilderwelten verschiedener Zeiten und Kulturen mischen: Ausschnitte aus indischen Landschaften, Ikonen mit der zentralen Darstellung der Figur und reichem Faltenwurf, Feuergirlanden der indischen Gottheit Shiva und zahlreiche Bezüge zu buddhistischer Malerei und Skulptur.
Als wichtigste Quellen und Einflüsse seiner Bilder nennt der Künstler neben der Ikonenmalerei, buddhistischen Heiligenbildern und indischer Skulptur auch die ornamentale Malerei von Gustav Klimt. Masahito Naoko Okamato's Malerei bleibt nicht flächig, es gibt Durchblicke und Durchbrüche, Überschneidungen und anachronistische Begegnungen. Durch seine sehr unterschiedlichen Vorlagen entsteht ein schriller, verwirrender und absichtlich rätselhafter Stilmix. Diese eigene Bildsprache lehnt sich an die Werbeästhetik des ausgehenden 20. Jahrhunderts mit den Farbzusammenstellungen wie leuchtendes Blau, Gelb und Pink, an die psychedelischen Hippiemuster der 70er Jahre, sie lässt aber auch an die flächige Ausbreitung ornamentaler Teppiche denken.
Ein sich wiederholendes Motiv sind die Puppen, manchmal auch Stofftiere, die in den Bildern weniger als Bedeutungsträger fungieren denn als Kompositionselemente. Manche sind etwas verdreht und verrenkt, gründlich-morbid schweben sie durch das Bild. Sie sind alt und gebraucht, wie halblebendige Gegenstücke der Menschen. In den Gemälden ist die Form dem Inhalt stets vorangestellt: den Künstler interessiert vor allem die kompositionelle Gestaltung des Bildes, weniger dessen inhaltliche Aussage.
Dargestellt sind Portraits von Menschen, die der Künstler kennt. Fotografiert hat er sie in Deutschland, Japan und Portugal. Es sind bekleidete und unbekleidete Portraits von meist jungen Frauen, in den kleinen Arbeiten auf Papier auch Männer und ältere Manschen.
Die kitschige Wirkung, die mitunter von den Bildern ausgeht, ist vom Künstler bewusst erzeugt und wird unterstützt von der Farbwahl asiatischer Bilder, wie in den kleinen Papierarbeiten in Rosa, Gelb und Hellblau zu sehen sind. Die kleinen, zartfarbigen Arbeiten auf Papier sind alle im Jahre 2000 entstanden. Ursprünglich waren sie gedacht als Skizzen und Variationen zur Vorbereitung grosser Gemälde, sie entwickelten sich dann zu einer eigenen Serie. Die Thematik ist dieselbe wie in den monumentalen grossen Arbeiten, die Verherrlichung, Erhöhung von Menschen, mit verfremdenden und karikierend süsslichen Elementen.
Neben dem Gemisch aus den verschiedensten Kulturschnipseln setzt der Künstler auch in Duktus und Stil unterschiedlichste Malweisen und Handschriften ein. Mal flächig, fast fotorealistisch, dann wieder mit tausenden von winzigen Bleistiftstrichen, impressionistisch oder an die Malerei der Pop-Art orientiert.
Was bedeutet der Heiligenschein, der hinter allen portraitierten Menschen auftaucht? Er ist ein Zitat von buddhistischen und christlichen Heiligenbildern. Stark gemustert ist dieser Heiligenschein eine Umdeutung des Künstlers, indem er z.B. russische Ornamente oder Muster von portugiesischen Kachelfliesen verwendet. Der dargestellte, durch das meist grosse Format und die zentrale, mittige Positionierung erhöhte, wie ein Heiliger oder Gottheit inszenierte Mensch soll menschlich und göttlich zugleich sein.
Verfremdend eingesetzt werden die verschiedenen Zungenmotive: lang ragt die Zunge aus dem Mund, ebenso überlängt erscheinen auch zwei lang herausgestreckte Zungen, die sich gierig berühren wollen, aber sich noch zu weit entfernt voneinander befinden. Bei den dicken Zungen handelt es sich um ein Motiv aus der Bildwelt des tibetanischen Buddhismus, die verbildlichte Verbindung von diesseits und Jenseits.
In seinen Gemälden vermengt Masahito Naoko Okamato scheinbar bekannte Motive, sie begegnen dem Betrachter wie ein multikulturelles, auf vielfache Weise verschlüsseltes Bilderrätsel. Alles wird zum Ornament, zum Schmuck, zur Dekoration, zur schönen und verfremdeten Gestalt. Naoko sammelt die verschiedensten Bildzutaten aus allen Herren Ländern, um daraus Neues zu erschaffen, seine Zutaten vereint er zu einem babylonischen, lustvoll verwirrenden Stil- und Kulturengemisch. |
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