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Fischerstechen

9. Juli

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Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen

In chronistischen Aufzeichnungen findet man die Anfänge dieser Zunftspiele bis in die Zeit des späten Mittelalters. Nachweislich gab es bereits 1530 in München ein Fischerstechen auf der Isar, das zu Ehren Kaiser Karl V. veranstaltet wurde. Es ist also kein Privileg des Würmsees (1962 amtlich: Starnberger See), diese Spiele der Fischer zu veranstalten, die während der glanzvollen Seefeste unter dem Kurfürsten Ferdinand Maria (1651-1679) ihre „Hoch-Zeiten“ hatten. Die geschichtlichen Zusammenhänge dieses über ein halbes Jahrtausend alten Brauches sind zwar nicht restlos zu belegen, doch die Volkskunde nimmt mit Bestimmtheit an, dass der Brauch der Zunftspiele am Starnberger See seine Grundlage seit der Gründung der „Fischeinigung“ (See- und Fischordnung mit Fischerjahrestreffen) gefunden hat.

In der 1784 gedruckten „Beschreibung des Würmsees“ von Prof. Lorenz Westenrieder (1748-1829) wird über eines dieser Fest- und Wettspiele der Würmseefischer berichtet: „Ihre Spiele bestehen außer denen, welche auf dem Lande üblich sind, im Schwimmen, Schiffsrennen und Panzenstechen“.

1832 erschienen die „Malerischen Ansichten des Starnberger Sees“ und auch hier steht ähnliches geschrieben: „Es waren unter den Fischern auf dem Starnberger See ganz eigene Spiele wie Schifferstechen und Schiffsrennen herkömmlich, welche aber lange schon abgekommen, da die Fischer der Schwimmkunst meist entfremdet sind“.

Nicht unerwähnt bleiben darf ein Bericht über das Starnberger Fischerstechen von Ludwig Steub in seinem Büchlein „Sommer in Oberbayern“, welches am 10. September 1860 im Rahmen des Bayerischen Landwirtschaftsfestes in Starnberg in Verbindung mit den Würmseefischern stattfand. Nach einem Stechen im Jahre 1882 schien es, dass der Brauch am Starnberger See aussterben würde. Wiederbelebt wurden die Zunftspiele erst wieder durch die Anregung von Prinzregent Luitpold anlßsslich der 1000-jährigen Erinnerung an den Tod des Markgrafen Luitpold, der 907 im Kampf gegen die Ungarn gefallen war.

Seit dieser Zeit richtet der ebenfalls 1907 neu gegründete Heimatund Trachtenverein Starnberg zusammen mit der Fischereigenossenschaft Würmsee (heute Starnberger-See) die Fischerstechen wieder aus. Zu diesem Anlass stiftete der Chef des Hauses Wittelsbach, Prinzregent Luitpold einen Goldpokal für den Sieger, der den Titel „Fischerkönig“ erhalten sollte. Der Wanderpokal sollte alle fünf Jahre als erster Preis dienen und die Zunftspiele künftig am Leben erhalten.

Matadore“ beim Fischerstechen im Jahre 1907
Erst bei einem dreimaligen Sieg eines Fischers durfte dieser in dessen Besitz Üübergehen.

Seit dem Jahre 1907 (mit Ausnahme der zwei Kriegsperioden) findet nun das „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen“ in der Starnberger Bucht statt, bei dem das Interesse der Teilnehmer und der Besucher nie abgenommen hat. Da alsbald die Anzahl der Teilnehmer aus „Nicht-Berufsfischern“ immer größer wurde, entschloss man sich 1952 zwei Gruppen zu bilden, die der Berufsfischer und die der „Sportler“. Die Bezeichnung „Fischerkönig“ kann aber nur ein Berufsfischer erhalten.

1950 wurde der 1907 gestiftete Goldpokal endgültig an die Familie Hirn übergeben, die den Titel „Fischerkönig“ durch dreifachen Sieg von Vater und Sohn erreicht hatten. Das Haus Wittelsbach hat die Tradition seines Oheims übernommen und stiftet jeweils einen neuen Pokal für den „Fischerkönig vom Starnberger See“.

Regeln

Beim Fischerstechen geht es im Wesentlichen darum, dass der Stecher (immer maskiert) seinen Konkurrenten von dessen über das Flachboot ragenden Standbrett mit einer gepolsterten Lanze ins Wasser stoßen muss. Bei dem Ausschlussverfahren ist der letzte Stecher, der nicht herunter gestoßen wurde, „Fischer-König“ bzw. der Sieger.

Beim Wettrudern mit Fischer-Flachbooten, das aus Mangel an Fischerflachbooten leider nicht mehr stattfinden kann, wurde das Boot als Sieger ausgerufen, das bei geradester Fahrt als erstes über die Ziellinie fuhr. Besetzt wurden die Flachboote mit zwei Wettkämpfern an je einem Riemen und einem Steuermann. Die alten Flachboote werden von vielen Berufsfischern am See zum Fischen kaum mehr verwendet und eine Reparatur der alten Holzboote ist sehr aufwendig und kostenintensiv.

Fischerstechen - Kampfszene
Fischerstechen – Kampfszene
Wollen wir hoffen, dass außer dem „Heimat- und Volkstrachtenverein“, der noch ein solches Flachboot besitzt, auch mehrere Berufsfischer um den See, der Tradition wegen, diese Flachboote noch lange pflegen und erhalten, damit das Austragen des „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen“ am Starnberger-See nicht gefährdet wird.

Siegerliste

1. 1907 – „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen“ am 10. August 1. Sieger und damit Fischerkönig wurde Mathias Hirn, Ambach.

2. 1912 – Sieger wiederholt Mathias Hirn, Ambach.

3. 1929 – Wegen der Zwangspause durch den 1. Weltkrieg erst am 4. August. Da sich der Finalteilnehmer Georg Wenzel in der Vorrunde so unglücklich verletzte und den Endkampf nicht bestreiten konnte, gab es keinen Gewinner. Ein Losverfahren lehnten beide Endfinalisten, Georg Wenzel und Hans Huber aus Ambach ab. Ein Fischerkönig konnte nicht prämiert werden.

4. 1950 – Im Rahmen der Gau-Heimattage 1950. Ehrenprotektor war der selbst anwesende Kronprinz Rupprecht von Bayern. Sieger wurde Josef Hirn, der Sohn des Gewinners des 1. und 2. Stechens Mathias Hirn, der ihn zum Sieg ruderte. Der goldene Wanderpokal ging somit endgültig in den Besitz der Familie Hirn Ambach über.

5. 1952 – Sieger wurde Adalbert Kufer Starnberg. Bei diesem Stechen wurden Berufsfischer und Sportler noch in einer Gruppe zusammen gewertet. Da die Anzahl der Stecher aus den Reihen der Sportler immer größer wurde, entschloss man sich 2 Gruppen zu bilden.

6. 1957 – „Fischerkönig“ wurde Josef Gebhard, Possenhofen.

7. 1962 – Sieger wurde Josef Hirn, Ambach.

8. 1967 – Neuauflage des Endkampfes Josef Hirn – Paul Dechant, dieses mal hieß der „Fischerkönig“ Paul Dechant, Starnberg.

9. 1972 – Am 13. August kämpften 18 Berufsfischer um den Titel „Fischerkönig“, den wieder Paul Dechant gewann. 26 Sportler waren beim Sportlerstechen gemeldet. Der Sieger wurde Heinrich Bartl, Söcking.

10. 1977 – 7. August – „Fischerkönig“ wurde zum drittenmal Paul Dechant, Starnberg.

11. 1982 – „Fischerkönig“ wurde Schorschi Wenzel, Starnberg. Beim Sportlerstechen konnte Karl Platz den 1. Platz erlangen.

12. 1987 – Angetreten waren diesmal 20 Berufsfischer und 30 Sportlerstecher. „Fischerkönig“ wurde zum 2. mal Schorschi Wenzel, Starnberg. Sieger beim Sportlerstechen wurde Josef Rimbeck Starnberg. Leider fing es während des Stechens zu regnen an. Da ein Abbruch und eine Neuansetzung nicht möglich war, wurde das Stechen bei Dauerregen bis zum Ende durchgeföhrt.

13. 1992 – „Fischerkönig“ wurde Franz Gastl, Leoni.

14. 1997 – Sieger wurde zum 3. mal Schorschi Wenzel, Starnberg.

15. 2002 – Zum 4. mal konnte Schorschi Wenzel den Titel erringen.

16. 2007 – „Fischerkönig“ wurde Michael Menzinger aus Ambach (siehe auch Rückblick Fischerstechen 2007)

17. 2012 – „Fischerkönig“ wurde Anton Hinterholzer aus Attenkam für die Fischerei Strobl in Ambach Ergebnislisten als PDF-Datei

18. 2017 – Wir freuen uns schon auf ihren Besuch beim Fischerstechen 2017!

 

Text_Heimat- und Volkstrachtenverein Starnberg 11. August 2016

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Details

Datum:
9. Juli
Veranstaltungskategorie:
Webseite:
http://www.trachtenverein-starnberg.de/fischerstechen.php

Veranstalter

Heimat- und Volkstrachtenverein Starnberg e.V.
Telefon:
0178/5194828
E-Mail:
info@trachtenverein-starnberg.de
Webseite:
http://www.trachtenverein-starnberg.de/impressum.php

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