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Common Ground Bayerisches Staatsballett – fantastisch und begeisternd

von | 30 März 2026 | Aktuell, Kulturveranstalter, Tanz

Die Premiere zur Ballettfestwoche München 2026 war ein fulminöser Erfolg. Das Publikum war spürbar fasziniert. Im Nationaltheater in München hörte und fühlte man die Begeisterung und den nicht endend wollenden Applaus. Schlussendlich gab es Standing Ovations für die meisterliche Leistung. Die Programmauswahl des Dreiteilers Common Ground zur Premiere am 28.03.2026 von Ballettdirektor Laurent Hilaire ist wohl mehr als gut gelungen.

Common Ground vereint Stücke von Jiří Kylián, Alexander Ekman und Johan Inger. Neben dieser Premiere zeigt das Bayerische Staatsballett vom 28. März bis 4. April 2026 im Rahmen der Ballettfestwoche im Nationaltheater Höhepunkte der Spielzeit 2025-26.

PREMIERE „COMMON GROUND“

Ich sehe was, was du nicht siehst: Common Ground steht in der Kommunikationspsychologie für die Annahme eines abstrakten, gemeinsamen Wissenraums, der zwischen Individuen besteht. Jeder macht seine Annahmen über das Wissen, das er / sie als gemeinsam voraussetzen. Man spricht davon, dass alle TeilnehmerInnen laufend Vermutungen über das Hintergrundwissen der anderen voraussetzen.  Die Trilogie Common Ground  vermittelt dem Publikum in der Vielseitigkeit und Originalität genau diesen Ansatz in einer gepflegten Tanzsprache, die in Kombination mit Bühnenbild und Musik die Grenzen des Erwarteten laufend sprengen.  Das Debüt der Trilogie der  international Gefeierten Alexander Ekman,  Johan Inger und Jiří Kyliáns kann auch in München viel gefeiert werden.
fuenfseen Common Ground Cacti Carollina Bastos Osile Gouneo C NICHOLAS MACKAY 0364 Kopie
 
 

CACTI

In Alexander Ekman’s 2010 entstandenem Werk Cacti (lat. Kakteen) geht es mit Augenzwinkern um die Absurditäten des heutigen Kunst- und Kulturmarktes. Wie kann man ein Werk rezensieren, bei dem es genau um dieses Thema geht? Ist je ein gemeinsamer Common Ground vorhanden und möglich? Wo Kritik und Sinn auf der Bühne getanzt werden – wo Kakteen eine tragende Rolle bekommen, den sie letztendlich gar nicht haben und Streicher wie selbstverständlich in der Komposition des Tanzes eine Hauptfigur auf der Bühne spielen. Rituell langsam beginnend steigert sich das Werk mit gesprochenen Dialogen zum Tanz, Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn und Franz Schubert zu einem heiter inspririerenden Gesamtkunstwerk. Das rhythmisch, professionell improvisierte und technisch anspruchsvolle Spiel zwischen dem Tanzensemble, einer Sprechstimme und den Musiker:innen bildet gleichsam die Partitur des Stückes, das eine dicke Portion Humor und Ironie im Gepäck hat. Das kam beim Publikum an. Leises Lachen, erstaunte und gespannte Blicke über das Ungewöhnliche durchzogen den Zuschauerraum. Cacti von Alexander Eckman reiht sich in die lange Tradition der abstrakten Denkmäler für Kritiker ein, In der Kunst hat der Künstler und nicht der Kritiker das letzte Wort. Jede Art von Kritik kann aus dem Künstler neue Kunst fördern und in anspornen um inne zu halten und weiter zu gehen: stur und  stolz auf seinem Weg. Ibsens Motivation aus der kritischen Ablehnung war sein Rohmaterial für Kunst, Klimt insprierte sie zu mehr ausdruckende Sinnlichkeit, Yoko Onos Cut Piece überwand die Angst vor Zweifel und Kritik und sandte eine Botschaft für die spontane Grausamkeit, der es der Welt selten fehlt.
End? End
Ich habe beschlossen, das hier ist das Ende.
Ich weiß es, ich weiß es, das ist das Ende.
Ist das das Ende?
Soll es hier enden?
Warte, soll es hier enden? ich weiß es nicht …
Ja, es fühlt sich richtig an. Es ist richtig.
Richtig?
Ende. Ende …
 
…but what did we see? 
 
Das Bayerische Staatsballett zeigte die „XL“ Fassung mit 27 Tänzer:innen, die bisher nur in Stockholm und Berlin zur Aufführung gelangte. Die Einstudierung übernahm Ekmans Ballettmeisterin Ève-Marie Dalcourt. Unbedingt erleben!!!
 
 
 
Szene Impassi Common Ground Nationaltheater Ballettfestwochen Premiere leuchtendes Haus im dunklen mit zwei Tänzern

IMPASSE

Impasse ist die französische Bezeichnung für Sackgasse. In einer räumlich entsprechenden Bühnensituation erkundet Johan Inger, wie Menschen auf Themen wie Enge, Gruppenzwang, Identitätsverlust und den Verlust scheinbarer Sicherheiten reagieren. Ein Common Ground, der sich durch neue Impulse erweitert und das Altbewährte, Behütende klein und unwichtig werden lässt und dabei die Fragen aufwirft, was kommt als Nächstes, sind wir falsch abgebogen, kommen wir hier wieder raus?
 
Spielerisch heiter zu energiegeladener und vielschichtiger Musik aus der Feder Ibrahim Maaloufs und Amos Ben-Tals reiht Inger für die 15 Tänzer:innen Episoden aneinander, die in Ausdruck, Musik und Bühnenbild veranschaulichen, was geschehen kann.
 
 
 
IMPASSE beginnt mit dem Bild eines beleuchteten Hauses und einer einzelnen Tänzerin auf der Bühne, begleitet von Ibrahim Maaloufs und Amos-Ben Tals gefühlsbetonten Musik, welche die Energie von Geborgenheit und die Lebensenergie der Verwurzelung widerspiegeln. Im harmonischem Miteinander eines weiteren Tänzers beginnen sie einen Dialog, der sich bald in eine Trilogie ausweitet. Die Bildsprache von einer neugierigen Freude in Bewegung und Geste wirft Gedanken zum Miteinander zwischen Mann und Frau auf und lässt die Antworten den Zuschauern überlassen. Eine Fiktion zwischen Traum und Wirklichkeit. Im Verlauf verkleinert sich die weitläufige Bühne zu immer kleiner werdenden Segmenten. Maeve im Wonderland von Ibrahim Maalouf spannt den akustischen Übergang von Lebensfreude und Neugierde auf das  breite Spektrum der Möglichkeiten in der wachsenden Gesellschaft eines immer enger werdenden Spielraums. Für Johan Inger ist IMPASSE eine Ausdruckssprache, die auf die Thematik Ressouren und Bevölkerungswachstum anspielen. Während sich die Bühne verengt, das  vertraute Haus schrumpft und theatralische Szenen weiterer Tänzer:innen die Bühne in einer dramatischen Fantasie zu rhythmisch verführerischer Musik verzaubern, schwanken die drei Tänzer des Beginns zwischen Fiktion, Anpassung und dem Konflikt der Erinnerung an die Vergangenheit. Das Stück ist trotz allem von Witz und vor allem auch von Hoffnung geprägt.  Die Antwort auf alle diese grundsätzlichen Ausweglosigkeiten ist die Frageszene am Ende des Stückes, nachdem der große Vorhang gefallen ist.
 
 
Never Serious? 
 
 
 
 
 
 
Johan Inger gab dem Stück vor der Premiere persönlich den letzten Schliff. Ballettmeister:innen sind Valentina Divina und Laurent Guilbaud. Uraufführung des Stückes im Jahre 2020 in Den Haag.
 
 
 
 
dunkle Bühne mit neuen BalletttänzerInnen in knallroten Reifröcken. Premiere der Ballettfestwoche München Bella Figura

BELLA FIGURA

Jiří Kyliáns Bella Figura aus dem Jahr 1995 beginnt unscheinbar, ganz nebenbei, während die Zuschauer:innen Platz nehmen. Fast wirkt es wie ein Üben vor dem großem Auftritt, unscheinbar leise und doch beeindruckend. Dieser Beginn spiegelt für mich den Common Ground wieder, was wir aus unserer Perspektive wahrnehmen sollten und wollen im Wiederspruch zu dem was wirklich ist. Wann beginnt eine Vorstellung, ein Leben?  Ein Stück über das Leben zwischen Geburt und Tod:  Bella Figura bedeutet sinnblldlich … trotz allem eine gute Figur machen. Kylián schuf sein Meisterwerk vor 25 Jahren anlässlich eines Zeitungsjubiläums.
 
 
Zum gedachten Beginn ist die Tänzerin Im Vorhang da, sogleich wieder verschwunden, trotz der Illusion, dass der Körper noch da ist. Giovanni Battista Pergolesis Stabat Mater dolorosá verwandelt zu Beginn die Bühne und den Tanz in einen sphärisch, mystisch angehauchten Sehnsuchtsort. Die Performance spricht die Gefühlswelt in vielen Facetten des Menschnlichsein an. Was ist hier wohl Wahrheit und was ist Lüge? Die Tänzerin macht auf alle Fälle einen sehr guten Eindruck.
 
 
Neun Tänzer:innen reisen für das Publikum durch Zeit, Raum und Licht. Zu unterschiedlichen Barockmusiken, unter anderem von Antonio Vivaldi und Giovanni Battista Pergolesi, gestaltet der Choreograph eine Parabel über Schönheit, Ästhetik und Verletzlichkeit, die das Publikum in einen Zustand der Kontemplation zu versetzen vermag. TänzerInnen, die sich wie Strandgras in knallroten Röcken im Wind wiegen, fließende Bewegungen auf festem Grund. Ein Erscheinen und Verschwinden von Menschen im Spiel der Vorhänge, der Bewegungen und Ausdrucksformen im kunstvoll gestalteten Raum zwischen Enge und Weite, Licht und Schatten. Am Ende brennt echtes Feuer und die Bühne beherrscht eindrucksvoller Tanz ohne Musik, eine unendliche Stille im Raum und ein Publikum konzentriert auf den puren Tanz lassen das Stück enden. Ein perfekter Pinselstrich, in dem sich alle Bedeutung konzentriert.  Standing Ovations und brennende Bewunderung der Premieregäste für das Meisterwerk, perfekt angereiht in der Trilogie von Common Ground.
 
 
 

WEITERE TERMINE „COMMON GROUND“

Samstag, 28. März 2026, 19.30 Uhr
Sonntag, 29. März 2026, 19.30 Uhr
Donnerstag, 16. April 2026, 19.30 Uhr
Montag, 20. April 2026, 19.30 Uhr
Donnerstag, 23. April 2026, 19.30 Uhr
Samstag, 25. April 2026, 19.30 Uhr
 
 

DAS WEITERE BALLETTFESTWOCHENPROGRAMM

Neben den beiden Vorstellungen von Common Ground stehen bei der diesjährigen Ballettfestwoche jeweils um 19.30 Uhr die Werke La Sylphide, Illusionen – wie Schwanensee, Onegin und Waves and Circles mit dem Corps de ballet und den Solist:innen des Bayerischen Staatsballetts auf dem Programm:
 
Montag, 30.3.2026, Onegin
Mit: Osiel Gouneo und Ksenia Shevtsova
 
Dienstag, 31.3.2026, La Sylphide
Mit: Laurretta Summerscales und Jakob Feyferlik
 
Mittwoch, 1. April 20206, Waves and Circles
Mit: Osiel Gouneo in Boléro
 
Donnerstag, 2. April 2026, Illusionen – wie Schwanensee
Mit: Julian MacKay, Maria Baranova und Elisabeth Tonev
 
Samstag, 4. April 2026, Waves and Circles
Mit: Jakob Feyferlik in Boléro
Bayerisches Staatsballett

Adresse und weitere Informationen >>

Rezension: Birgit M. Widmann

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