Die Spielzeit 2026/2027 präsentierten auf der Bühne des Nationaltheaters: Staatsintendant Serge Dorny, Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski und Ballettdirektor Laurent Hilaire. Die Programmhighlights zeigen den roten Faden des Spielzeitmottos: „Verging wie Hauch der Götter Geschlecht“.
“ Was bleibt, ist Verantwortung, selbst absolute Machtverhältnisse sind vergänglich“, so Dorny in seiner Eröffnungsrede. Gesellschaft und Machtverhältnisse sind fragil, die Demokratie steht unter Druck. Historisch entstand bei Niedergang der Götter die Frage – was kommt danach? Die grundlegende Betrachtung ist: wie entstehen Gesellschaften und Sicherheiten in Zeiten, wo Vertrauen und Antworten noch nicht da sind? Heute sind die Schlussworte Aus Richard Wagners Oper Götterdämmerung aktueller denn je. Beleuchtet richtungsweisend Wagners Ring der Nibelungen die Zeiten des Übergangs als zentrales Projekt der kommenden Spielzeit.
Mit der Vollendung der Neuinszenierung des Ring des Nibelungen erreicht die kommende Spielzeit einen künstlerischen Höhepunkt und erschließt zugleich einen zentralen Zusammenhang. Richard Wagners Tetralogie führt das Zerbrechen höherer Ordnungen vor Augen und stellt die Frage, wie sich der Mensch in einem entstehenden Machtvakuum orientiert. Dieser Gedanke spiegelt sich in den Neuproduktionen der gesamten Saison.
Am Beginn und am Ende der neuen Spielzeit stehen die Premieren von Richard Wagners Siegfried und Götterdämmerung in der Regie von Tobias Kratzer und unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski.
Nachdem in Siegfried der titelgebende Held zunächst den Fortbestand des alten Herrschaftssystems zu gewährleisten scheint, zeigt Götterdämmerung schließlich dessen Niedergang.
Auch die weiteren Neuinszenierungen nehmen Macht, Moral und innere Zerrissenheit in den Blick: Gaetano Donizettis Maria Stuarda, John Adams’ Doctor Atomic, Pjotr Tschaikowskis Mazeppa, Jules Massenets Werther und Benjamin Brittens Death in Venice zeigen Figuren im Spannungsfeld zwischen politischem Anspruch und persönlicher Integrität auf der Suche nach Haltung und Orientierung oder im Scheitern daran.
Am Ende der Saison werden im Rahmen der Münchner Opernfestspiele zwei vollständige Ring-Zyklen präsentiert. Sie erzählen die Geschichte von Aufstieg und Fall der Götter – sinnfällig und nachvollziehbar.
Das Repertoire der Spielzeit BSO2627 präsentiert 32 Opern aus vier Jahrhunderten: von Händel und Mozart über Belcanto und Romantik bis zu Werken des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Zum Beispiel Richard Wagners Tannhäuser mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie sowie Parsifal mit Christian Gerhaher, Elīna Garanča und Clay Hilley. Gaetano Donizettis L`elisir d`amore kehrt mit Xabier Anduaga und Serena Sáenz in den Hauptpartien zurück und Georg Friedrich Händels Semele ist nach dem Erfolg während der Münchner Opernfestspiele 2023 mit Louise Alder und Jakub Józef Orliński auf der Bühne des Nationaltheaters zu erleben. Ausserdem zu erleben: Giuseppe Verdis Un ballo in maschera mit Piotr Beczała und Anastasia Bartoli in den Hauptpartien sowie Richard Strauss’ Der Rosenkavalier mit u. a. Nicole Car, Matthew Rose und Katharina Konradi.
Welches Programm bietet das Bayerische Staatsorchester in der Spielzeit 2026 / 2027?
Die Konzertprogramme des Bayerischen Staatsorchesters fügen sich in die thematische Linie der Spielzeit ein. Die Akademiekonzerte widmen sich der Klassik und Romantik im deutschsprachigen Raum, der frühen Moderne und dem französischen Repertoire. Vladimir Jurowski dirigiert drei Konzerte; Edward Gardner kehrt ans Pult des Bayerischen Staatsorchesters zurück; Robin Ticciati und Stéphane Denève sind erstmals mit dem Bayerischen Staatsorchester zu erleben.
Vielfältige Besetzungen und spannende Klangmischungen prägen die Kammerkonzerte: von Schlagwerk und Streichern über Holzbläserquintett bis zum Streichquartett. Ein besonderer Schwerpunkt gilt Ludwig van Beethoven im Lichte seines zweihundertsten Todestages. In einem saisonübergreifender Zyklus unter dem Titel „Götterfunken“ stehen zentrale ebenso wie selten gespielte Werke von oder in Verbindung zu Beethoven im Fokus.
Götterfunke mit neun Konzerten verteilen sich auf die ganze Spielzeit mit Musik für Streicher, Bläser, Klavier und Gesang. Kammermusikensembles vom Klaviertrio übers Streichquartett bis zu Schlagzeugformationen werden in der Allerheiligen Hofkirche und im Cuvilliés-Theater zu erleben sein; einen Schwerpunkt bildet, aus Anlass seines zweihundertsten Todestags, das Kammermusikschaffen Ludwig van Beethovens. Die Themenkonzerte bringen neuerlich einen Austausch von Musik und Wissenschaft. Vladimir Jurowski spannt mit seinen Konzerten einen Bogen über die Spielzeit und stellt an ihren Beginn und an ihr Ende zwei romantische Symphonien: im 1. Akademiekonzert die dritte Symphonie von Johannes Brahms und im 6. die neunte von Gustav Mahler. Außerdem widmet er sich Arthur Honeggers Symphonie liturgique: eine erschütternde Anklage gegen den Krieg und ergreifender Ausdruck des Wunsches nach seiner dauerhaften Überwindung. Besonders am Herzen liegen Jurowski das Klavierkonzert Nr. 4 als Klavierkonzert aus seiner Sicht, zum ersten Mal überhaupt. Eine stille Revolution war es, die Ludwig van Beethoven mit seinem vierten Klavierkonzert unternahm. Eine Revolution, weil er das Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen veränderte, unter anderem indem hier das Klavier, anders als bis dahin üblich, als erstes das Wort ergreift; und still, weil es das zunächst mit leisen Tönen tut. Mitsuko Uchida, eine der großen Pianistinnen unserer Zeit und als Beethoven-Interpretin weltweit verehrt, musiziert erstmals gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsorchester, spannend wird auch die 3. Sinfonie von Beethoven: selten gespielt endet sie leise. In ihr verband er eine große emotionale Bandbreite – ob dramatische Konflikte wie im ersten Satz oder verinnerlichter Sehnsucht wie im Allegretto – mit fast zyklischer Geschlossenheit; das Stück zielt nicht auf äußerliche Wirkung, alle vier Sätze verklingen im Piano. Brahms’ Weggefährten reagierten enthusiastisch, Clara Schumann etwa schrieb voller Begeisterung über die neue Komposition: „Welch ein Werk, welche Poesie, die harmonischste Stimmung durch das Ganze, alle Sätze wie aus einem Gusse, ein Herzschlag, jeder Satz ein Juwel!“ – und der jüngere Kollege Antonín Dvořák rühmte das Stück mit den Worten: „Welch herrliche Melodien sind darin zu finden! Es ist lauter Liebe, und das Herz geht einem dabei auf!“
Am Ende des Spektrums erwartet die BesucherInnen Gustav Mahlers Verbeugung vor Beethoven, gewidmet seinem 150. Geburtstag. Gustav Mahlers Symphonie Nr. 9 das „erste Werk der Neuen Musik“ (Alban Berg). Weder Beethoven noch Schubert oder Bruckner hatten es geschafft, über die Zahl der 9 hinauszukommen. Obwohl Mahler selbst diesen „Fluch“ für Realität hielt, komponierte er nach dem Lied von der Erde seine offizielle „Neunte“ – schon etwas lädiert vom alternden Körper und seiner leidenden Seele, hatte er zwei Jahre zuvor den größten Schicksalsschlag erlitten, den ein Vater erleiden kann. So wundert es nicht, dass er in diesem Spätwerk den Schlusssatz vom Lied von der Erde – den Abschied – zu einem Leitgedanken seiner neunten Symphonie auserkoren hat. Ein Leitgedanke, der in diesem monumentalen Werk durchgängig verwebt ist, besonders präsent in den langen und langsamen Außensätzen. Durch die „von grimmiger Lustigkeit“ anmutenden Mittelsätze, kann man am Ende aber doch den Eindruck gewinnen, als würde dieser Abschied von einem Aufbruch begleitet.
Welche Premieren gibt es in der Ballettsaison 2026/27 beim bayerischen Staatsballett?
Es erwarten Sie beim Bayerischen Staatsballett zwei Premieren, die ganz im Zeichen von Mystik und Legenden stehen. Im November 2026 erwartet Sie die Neukreation des Choreographen Edward Clug mit CARPATHIA – Der Mythos der Untoten. Das Stück behandelt die Legende des Grafen Dracula und des Sekretärs Jonathan, die sich bald in einem Kampf um Liebe und Tod wiederfinden. Musikalisch werden die Motive rund um Reinheit und Unschuld von einem neuen Werk des Komponisten Milko Lazar begleitet.
Ballettfestwoche 2027 – Die Highlights vom 09.04.20247 – 16.04.2027
Am Freitag, 9. April 2027, eröffnet das Bayerische Staatsballett die Ballettfestwoche 2027 mit der zweiten Premiere der Spielzeit: Orpheus und Eurydike von Christoph W. Gluck. Tanzoper von Pina Bausch. Das Werk erzählt die Legende des Sängers Orpheus, der seine verstorbene Gattin Eurydike aus der Unterwelt zu retten versucht, ihrer Todessehnsucht am Ende jedoch nicht gewachsen ist. Besonders bemerkenswert ist, dass das Bayerische Staatsballett erst die zweite Compagnie weltweit ist, der die Pina Bausch Foundation die Einstudierung dieses einzigartigen Stücks anvertraut hat. Wie bereits 2025 steht die Ballettfestwoche 2027 im Zeichen der Tanztheaterlegende Pina Bausch. Im April 2027 zeigt das Bayerische Staatsballett an acht Abenden Orpheus und Eurydike von Christoph W. Gluck. Tanzoper von Pina Bausch, in der Tänzer:innen und Sänger:innen gleichberechtigt in die Handlung eingebunden sind. Erleben Sie diese einzigartige Aufführungsserie und die packende Liebesgeschichte von Orpheus und Eurydike, in welcher zunächst der Tod überwindbar erscheint, in der die Protagonist:innen letztlich aber auf tragische Weise ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Gefördert von Alexander und Julie Schemann
GLANZLICHTER – EINE BALLETTGALA des Bayerischen Staatsballetts
Zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele 2027 lädt das Bayerische Staatsballett zu einem exklusiven Erlebnis ein: die Ballettgala Glanzlichter. Von Dienstag, 22. Juni, bis Donnerstag, 24. Juni 2027, zeigt das Ensemble im Prinzregententheater an drei Abenden eine Auswahl kürzerer Werke aus Klassik, Neoklassik und Moderne. Neben den Tänzer:innen des Bayerischen Staatsballetts treten auch internationale Gäste auf und sorgen für festliche Höhepunkte zum Auftakt der Festspiele.
Besondere Momente und Performances Bayerisches Staatsballett München
Im Januar 2027 erwartet Sie eine besondere Wiederaufnahme: Zum ersten Mal zeigt Laurent Hilaire seine eigene, leicht adaptierte Version von Giselle in München. Aufbauend auf der ursprünglichen Choreographie von Jean Coralli und Jules Perrot sowie deren Weiterentwicklung durch Marius Petipa hat der Direktor des Bayerischen Staatsballetts eine Fassung geschaffen, die das Werk durch choreographische und darstellerische Anpassungen ins Heute holt und für die Zuschauer:innen noch unmittelbarer erlebbar macht. Bühnenbild und Kostüme der von 1974 bis 2025 im Repertoire befindlichen Inszenierung von Peter Wright bleiben dabei erhalten. Im Mai 2027 kehrt Christopher Wheeldons märchenhaftes Handlungsballett Cinderella nach drei Jahren auf die Bühne des Nationaltheaters zurück.
Neben den Wiederaufnahmen, Premieren und der Ballettgala lädt das vielseitige Repertoire zu weiteren Höhepunkten ein: Die Kameliendame, Der Nussknacker und Illusionen – wie Schwanensee von John Neumeier stehen erneut auf dem Spielplan, ebenso wie die beiden modernen Dreiteiler Waves and Circles und Common Ground.
Welche NEUPRODUKTIONEN 2026/27 stehen auf dem Programm des Bayerischen Staatsballetts?
URAUFFÜHRUNG: C A R P A T H I A – DER MYTHOS DER UNTOTEN
Für die erste Premiere der Saison 2026/27 hat Laurent Hilaire eine Neukreation in Auftrag gegeben: Edward Clug wird am 25. November 2026 in dem Handlungsballett C A R P A T H I A – Der Mythos der Untoten seine choreographische Auseinandersetzung mit Dracula-Legenden präsentieren. Auch musikalisch begibt sich das Ensemble auf neue Wege. Das Werk entsteht zur Auftragskomposition von Milko Lazar. Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters wird Simon Krečič, Dirigent am Slovenischen Nationaltheater in Maribor, stehen.
Mi, 25. November 2026, 19.30 Uhr (Premiere)
Nationaltheater
ORPHEUS UND EURYDIKE – BALLETTFESTWOCHE 2027
Die zweite Premiere der Spielzeit ist zugleich das Programm der Ballettfestwoche 2027. Mit Orpheus und Eurydike zeigt das Bayerische Staatsballett erneut eine einmalige Aufführungsserie eines Signaturstücks von Tanztheaterlegende Pina Bausch. Uraufgeführt 1975 beim Tanztheater Wuppertal ist die Münchner Compagnie nach Paris erst das zweite Ensemble weltweit, das die Rechte zur Einstudierung dieser Tanzoper von Christoph Willibald Gluck erhält. Orpheus und Eurydike wird ab dem 9. April 2027 an acht Abenden unter der musikalischen Leitung von Christopher Moulds im Nationaltheater präsentiert.
Fr, 9. April (Premiere) bis Fr., 16. April 2027, 19.30 Uhr
Nationaltheater
Gefördert von Alexander und Julie Schemann
GLANZLICHTER – EINE BALLETTGALA
Im Sommer 2027 steht im Prinzregententheater an drei Abenden die Ballettgala Glanzlichter auf dem Spielplan. Die Compagnie präsentiert zum Saisonabschluss ein Programm mit verschiedenen kürzeren Werken aus Klassik, Neoklassik und Moderne, bei dem sowohl Tänzer:innen des Bayerischen Staatsballetts als auch internationale Gäste in Erscheinung treten werden. Die Ballettgala eröffnet damit zugleich die Münchner Opernfestspiele 2027. Das genaue Programm wird im Laufe der Spielzeit 2026/27 veröffentlicht.
Ab Di. 22. Juni 2027
Prinzregentheater
URAUFFÜHRUNG KIND&CO: DAS VIER-FARBEN-LAND
Im Januar 2027 feiert ein neues Tanztheaterstück für Kinder Premiere. Auf Basis des gleichnamigen Kinderbuches von Gina Ruck-Pauquèt erzählt das Choreographen-Duo Borna Babić und Eliana Stragapede in Das Vier-Farben-Land von Vielfalt, Zugehörigkeit und Individualität. In dem partizipativ angelegten Stück lernen die Kinder in vielen verschiedenen Farben zu denken und eigene Perspektiven zu entwickeln.
Ab Sa. 9. Januar 2027
Nationaltheater, Große Probebühne
BAYERISCHE STAATSOPER
Regiebetrieb des Freistaats Bayern
Max-Joseph-Platz 2
80539 München
+49 89 21 85 01





