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Zeugnisse aus der römischen Zeit im 4. Jahrhundert.

Widdersberg im Wandel der Zeiten (Ruth Wegner)

Seit 179 n.Chr.war das Fünf-Seen-Land von den Römern besetzt. Zur Zeit Konstantins d.Gr. (306-337) soll der “burgus” von Widdersberg errichtet worden sein – nicht als Kastell im herkömmlichen Sinn, sondern als Straßenstation, wenn auch an keiner der großen Römerstraßen gelegen (“burgus” war die Bezeichnung für ein turmartiges Kleinkastell an Straßen und Grenzen). Römische Münzen der Kaiser Trajan, Constantius und Magnentius (alle 4.Jhdt.) und u.a. ein kleines Relief aus Glaspaste, das zu einem römischen Siegelring gehörte, sind im Dorfbereich gefunden worden und zeugen von der Zeit der Römerherrschaft. Auch der “Römerstein”, der in die Außenwand der Kirche eingelassen ist, stammt aus dieser Zeit. Er soll beim Aushub für eine Villa entdeckt worden sein; die dargestellten Personen werden alllgemein für ein römisches Ehepaar gehalten.

Aus dem frühen Mittelalter sind keine Spuren erhalten. Erst im 13.Jhdt. taucht in einigen Andechser Urkunden der Name “Widersperch” auf. Herren von Widersperch waren nämlich Ministerialen der mächtigen Grafen von Andechs-Meranien, d.h., sie waren ihnen dienstpflichtig, erlangten also keine Selbständigkeit. Ihr Wappen zeigt zwei Widderhörner. Seit jener Zeit war die Geschichte des kleinen Dorfes mehr oder weniger eng mit derjenigen der Andechser Grafen und später des Klosters Andechs verknüpft.

Ihre Burg hatten die Widerspercher Herren auf dem heute noch “Burabichl” genannten Hügel am Weiher. Viele Generationen von Dorfkindern haben da oben schon ihr Glück als Schatzgräber gesucht; aber nachdem schon in einer Beschreibung aus dem Jahr 1730 zu lesen ist, daß der Burabichl “ein Platz mit Schutt und Trümmern, dazu tiefe, steile Gräben” sei, ist anzunehmen, daß etwaige Kostbarkeiten aus der Zeit der Burgherren schon vor Jahrhunderten ihre neuen Besitzer gefunden haben. Dafür aber haben zwei eifrige Studenten der Archäologie vor 14 Jahren auf dem gegenüberliegenden Hügel die Reste von Grundmauern eines Burgstalls entdeckt, und zwar gerade unter dem Haus, das hier vor dem 1.Weltkrieg errichtet worden ist. Das ganze Haus wurde unter Denkmalschutz gestellt. –

Auf die Beziehung des Dorfes Widdersberg zu Andechs deutet eine auf dem 16.Feld an der Empore der Klosterkirche bildlich dargestellte Legende hin, zu der folgender Text gehört:

Von Widdersberg ein Weib stockblind
Ihr Augenlicht zu Andechs wiederfindt.

Als der letzte Graf von Andechs 1248 starb, fiel mit seinem gewaltigen Grundbesitz auch Widdersberg an die Wittelsbacher Herzöge und wurde von da ab durch Landvögte verwaltet. Auf allerlei Umwegen durch Erbschaften und Pfändungen kam das Dorf 1438 wieder an Andechs. In Andechs wurde 1455 anstelle der früheren Burg das Kloster gegründet, zunächst als Augustiner Chorherrenstift.
Fast 350 Jahre lang, bis zur Aufhebung des Klostern während der Säkularisation 1803, gehörte Widdersberg zur “Klosterhofmark Heiligberg Andechs”. Der Ertrag des Widums und der Opferstocks war aber so unbedeutend, daß die Einkünfte kaum zum Unterhalt eines eigenen Priesters ausgereicht hätten, obwohl die Widdersberger ihr eigenes Gotteshaus hatten. Deshalb wurde die Gemeinde durch Andechser Patres betreut. Das Kloster besaß in Widdersberg einen “Zehentstadel”. Hier wurden die Abgaben an Ernteerträgen gelagert – meist aber weniger als das sprichwörtliche Zehntel. Heute wohnt die Mesnerfamilie Wild im ehemaligen Zehentstadel.

Auch nach der Säkularisation hat das kleine Dorf Widdersberg sein von der Welt unbeachtetes Leben geführt, in der idyllischen Landschaft zwischen den Moränenhügel am Übergang des vom Andechser Bereich herziehenden Silbertals zum waldumgebenen Urstromtal, das sich nach Seefeld erstreckt. Erst 1902 hat es mit der Errichtung der Eisenbahnstrecke München-Herrsching eine gewisse Anbindung an die weitere Umgebung erfahren,wenn auch der Weg zur 3 km entfernten Bahnstation Seefeld-Hechendorf sogar heute noch, trotz aller Motorisierung, für manchen Widdersberger zum Problem werden kann.

Im 20.Jhdt.nahm die Entwicklung des Dorfes einen für unsere Zeit typischen Verlauf:
Hatte es 1910 noch 110 Einwohner, eine Zahl, die sich bis zum 2.Weltkrieg nur unwesentlich veränderte, so stieg die Einwohnerzahl bis Ende 1945 – zunächst wegen der eingewiesenen evakuierten Städter, dann wegen der Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten – auf 410 an. Sie nahm dann langsam wieder ab und beläuft sich seit 1953 ziemlich gleichbleibend auf etwa 300. Bis in die 70er Jahre (1972 erfolgte die Eingemeindung nach Herrsching) gab es 14 bäuerliche Betriebe; heute sind es noch ganze 2 (3?). Seit 1966 haben wir eine gut ausgebaute Straße, die von manchem aus Andechs heimkehrenden Autofahrer als Rennstrecke benutzt wird. Auch sonst haben wir jetzt an allen Segnungen der Technik teil – öffentliche Wasserleitung, Kanal, Kabelanschluß und was sonst lebensnotwendig ist.

Betrachten wir zum Schluß ein Beispiel aus der jüngsten Geschichte:
Südöstlich des Burabichls, unterhalb des Weihers, stand die alte Mühle – viele Widdersberger erinnern sich an sie -, ein mehrstöckiger Tuffsteinbau aus den Jahren 1503-09 mit großer Mahlwerkhalle und architekturgeschichtlich interessanten Einbauten von Wohn- und Wirtschaftsräumen. Die zweiflüglige Eingangstür war ein in manchem Kunstführer beschriebenes Beispiel guter alter Handwerkskunst. Zu Beginn unseres Jahrhunderts war die Mühle noch in Betrieb gewesen – 1966 fiel sie den Straßenbauaurbeiten zum Opfer.

Die moderne Zeit hat unserem Dorf manche Annehmlichkeit beschert. Vielleicht darf man aber doch die Frage stellen, ob ein sorgsameres Umgehen mit den wpärlichen Zeugnissen der Widdersberger Vergangenheit nicht wenigstes ebenso wichtig wäre wie die Rücksicht auf alle die Annehmlichkeiten, die durch die moderne Technik unserem Dorf zuteil geworden sind. Quelle: Ruth Wegner -http://www.widdersberg.de/bhw/data/d_geschichte.html

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