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Eva Mair-Holmes vom Label Trikont wird mit dem Musikpreis der Landeshauptstadt München 2018 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Musikpreis wird alle drei Jahre für eine herausragende Gesamtleistung im Bereich Musik beziehungsweise an eine Persönlickeit verliehen, die der Musikstadt München Geltung und Ansehen verschafft. Über die Vergabe hat jetzt der Stadtrat beziehungsweise der Kulturausschuss auf Empfehlung einer Jury entschieden.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

„Im vergangenen Herbst feierte Trikont unter großer medialer Anteilnahme ein rundes Jubiläum. 1967 als linker Buchverlag in Köln gegründet, zog man wenig später nach München und veröffentlichte ab 1972 auch Platten, darunter auch Aufnahmen mit Gruppen wie ,Ton, Steine, Scherben‘ oder dem ,Sogenannten Linksradikalen Blasorchester‘. Fast von Anfang an dabei war Achim Bergmann, der das Label Trikont nach dessen Trennung vom Verlag ab 1980 leitete.

1990 stieß Eva Mair-Holmes zu Trikont, die mit ihren Erfahrungen in den unterschiedlichsten Berufsfeldern, unter anderem im Radiobereich, offensichtlich zur richtigen Zeit kam und entscheidend dazu beitrug, dass die von Obergiesing aus gesteuerten Aktivitäten an Fahrt aufnahmen. Auf dem, von dem beruflichen, später auch privaten Dreamteam geleiteten ,wahrscheinlich ältesten Indie-Label der Welt‘ erschienen bis heute fast 500 Tonträger.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Eva Mair-Holmes und Achim Bergmann waren die Kompilationen, die internationale Beachtung und Anerkennung fanden. So fand die BBC diese anthologischen Zusammenstellungen ,breathtaking‘ und bescheinigte den Kompilatoren goldene Ohren. Wer wollte, konnte mit Trikont akustische Weltreisen machen und sich über Finnland, Rumänien, Griechenland, die Ukraine nach Vietnam treiben lassen, um dort kehrt zu machen und dann über Äthiopien, Südafrika, Kolumbien und Mexiko in den USA zu landen. Hier gab es besonders viel (wieder) zu entdecken, wie zum Beispiel die ersten Rapper oder farbigen Rock‘n‘ Roller, aber auch Veröffentlichungen zu amerikanischen Spielarten des Jodelns oder der Polka.

,Our own Voice‘ ist die Losung von Trikont – eine ;eigene Stimme‘ zu haben, war auch ein wichtiges Kriterium bei der Künstlerauswahl. Auf der Suche nach dem Unangepassten, Unvorhersehbaren und Besonderen wurde man besonders häufig in Bayern und Umgebung fündig. Und so begleitet und befördert Trikont die Karrieren von Attwenger, Hans Söllner, Kofel gschroa, Mrs Zwirbl oder Coconami und etlichen anderen. Die kontinuierliche und leidenschaftliche Arbeit von Trikont wurde anlässlich des Jubiläums vielfältig gewürdigt. So schrieb die FAZ zu der Veröffentlichung der fast fünfhundert Seiten starken ,Trikont-Story‘: Wenn Reichweite direkt von Repertoirebandbreite abhinge, würde diese Plattenfirma die Welt beherrschen.‘

Wenige Monate nach den Feierlichkeiten löste der plötzliche Tod von Achim Bergmann am 1. März 2018 große Betroffenheit und Trauer aus. Und viele stellten sich die bange Frage, ob und wie es für Trikont weitergehen könne. Wenige Tage später hieß es auf der Trikont-Seite: ‚Wir machen weiter – Für Dich, Achim, und den Rest der Welt.‘

Und so gilt es, Eva Mair-Holmes und ihrem Team alle Kraft zu wünschen, die es braucht, diese großartige Arbeit weiterzuführen. Denn, um aus einem Feature des Bayerischen Rundfunks zu zitieren: ;Wer, bitteschön, hat nach 50 Jahren immer noch die Euphorie, jeden Tag die Welt verändern zu wollen? Allein dafür muss man Trikont lieben.‘” Der Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers gehörten an: Sophie Becker (Theaterfestival SPIELART), Dr. Meret Forster (Bayerischer Rundfunk), Florian Ganslmeier (Münchener Kammerorchester), Roland Spiegel (Bayerischer Rundfunk), David Süß (Club Harry Klein), Jörg Süßenbach (Goethe-Institut) und aus dem Stadtrat Marian Offman und Richard Quaas (beide CSU-Fraktion), Horst Lischka und Julia Schönfeld-Knor (beide SPD-Fraktion) und Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen / Rosa Liste).

Der Musikpreis wird im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung verliehen.

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