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Die Schäffler tanzen wieder
Ladschreiben zum "Original Münchner Schäfflertanz 2012"
Wieder sind sieben Jahre vergangen und abermals wird die Münchner Bevölkerung durch den Schäfflertanz an das schreckliche Pestjahr 1517 erinnert. Verödet war die schwer heimgesuchte und schier dem Untergang geweihte Stadt, als die Schäffler mit frischem Mut durch die Straßen tanzten und unter den frohbeschwingten Klängen ihrer Musik neues Leben erweckten.

Aus 494 Jahren Vergangenheit ist uns damit ein Brauchtum überliefert worden, das in der wechselvollen Geschichte bis zur Gegenwart der heutigen Millionenstadt München hoch in Ehren gehalten wird. Mit seiner siebenjährigen Wiederkehr ist der Schäfflertanz zu einer der volkstümlichsten Veranstaltungen geworden und einer der letzten noch bestehenden öffentlichen historische Handwerksbräuche in München.
In der Zeit vom 06. Januar bis 21. Februar 2012 findet in München wieder der historische Schäfflertanz statt. Zahlreiche Bürger, Firmen und Behörden lassen in jedem Schäfflerjahr den Tanz vor ihrem Haus aufführen. Auch Sie können Ihren Verwandten, Bekannten, Geschäftsfreunden und auch der Münchner Bevölkerung eine große Freude bereiten. Aus diesem Grund richten wir heute unsere Einladung in der althergebrachten Form an Sie und fragen, ob Euer Hochwohlgeboren geneigt sind, den Schäfflertanz zu Euer hochwohlgeboren Ehren aufführen zu lassen oder in irgendwelcher Weise dieser pietätvollen Erinnerung wohlwollend Würdigung zuzuwenden.

Geschichte des Schäfflertanzes (Quelle: www.schaefflertanz.com)
Über den Ursprung des Schäfflertanzes
Die Entstehung des Schäfflertanzes in München datiert vom Jahre 1517, woselbst in München die Pest auf grauenhafte Weise wütete. Die Pest herrschte in München mehrmals, nämlich in den Jahren 1463, 1515 und 1517. Die erste dieser Seuchen dauerte von Weihnachten 1462 bis Michaeli 1463. Aber auch noch später, im Jahre 1643 trat dieselbe nochmals auf und raffte die ungeheure Zahl von 15.000 Menschen weg. Bei dieser letzten Periode waren zwar die Vorsichtsmaßnahmen weit zweckmäßiger als bei den früheren Erscheinungen; trotzdem konnte derselben doch kein Damm gesetzt werden. Es waren damals in München nur zwei Tore offen, das Neuhauser- und das Isartor. Beide Tore waren stark bewacht und niemand durfte ohne Vorweisung der Gesundheitspässe und genaueste Untersuchung herein. Angekommene Briefe an Kaufleute wurden geräuchert und das Geld mit Essig gewaschen, ferners wurden an den Ein- und Ausgängen der Straßen eiserne Ketten befestigt, um dieselben nach der Quere zu ziehen, wenn die Ansteckung in der einen oder anderen Straße zu befürchten war. Da aber die Leute dessen ungeachtet durchschlüpften, so wurden die Straßen, in denen sich Pestkranke befanden, mit Brettern verrammelt, was namentlich in der Eisenmanns-, Damenstifts und Kreuzgasse der Fall war. Auf den Straßen wurden Feuer unterhalten und Wacholdersträucher verbrannt.
Während der Pest 1517 aber waren noch keine so umfangreichen Maßregeln getroffen und es starben Tausende dahin. Alles schwebte in furchtbarer Todesangst; außer den Totengräbern und Pesträucherern wurde niemand auf der Straße gesehen; die Landleute getrauten sich nicht in die Stadt und es trat großer Mangel an Lebensmitteln ein. Das Elend hatte die höchste Stufe erreicht und selbst nach dem Verschwinden der Pest wagte sich lange Zeit niemand aus dem Hause, aller Verkehr stockte. Die Ärzte konnten für dieses Übel nicht helfen und man befürchtete, dass dieser Zustand zu neuen Krankheiten Anlass gebe.
Da geriet ein einsichtsvoller Bürger – leider ist dessen Name nicht überliefert – auf den Gedanken, ein entgegengesetztes Mittel zu gebrauchen und die Leute, statt mit ihnen zu jammern und zu wehklagen, durch ein lustiges Schauspiel aufzuheitern. Dieser wackere Bürger gehörte zu der Zunft der „Schäffler“. Zur Ausführung seines Planes schlossen sich die Schäffler alle mutig an und auf seine Anregung ließen sich auch die „Metzger“ herbei und es halfen alle getreulich zusammen, wodurch auch der Metzgersprung entstand, der von demselben Jahre datiert.
Während die von der Pest verschonten bleich und abgemagert, vom Elend zusammengekauert in peinlicher Furcht noch immer in verschlossenen Stuben saßen, erscholl eines Tages auf einmal fröhliche Musik in den Straßen. Alles eilte an die schon lange nicht mehr geöffneten Fenster und siehe da, die Schäffler zogen in aufgeputzten Scharen nach dem Marktplatze, wo sie mit grünbelaubten Reifen einen Rundtanz aufführten und die „Gretl mit der Butten“ – an deren Stelle später die „Hanswursten“ traten – ergötzte Alt und Jung mit ihren Späßen. Alles strömte aus den halb ausgestorbenen Häusern dem Zuge nach und lachte herzlich. Viele waren gestorben, manche aber, von denen der eine den anderen längst tot glaubte, traf sich. Bald wurde es wieder lebhaft in den Straße, die Glocken ertönten zu Dankgebeten. Alles kehrte zur Ordnung und zur Arbeit mit erstarktem Mute zurück. Da hiermit die Schäffler ihren Zweck erfüllt hatten, durchzogen sie nach dem Tanze in feierlichem Zuge unter Klängen feierlicher Musik sämtliche Straßen der ganzen Stadt. – Nachdem die Schäffler ihren Tanz beendet hatten, sprangen die Lehrlinge der Metzger in den Fischbrunnen zum Zeichen, dass die Luft und das Wasser rein seien.
Dieses ist der Ursprung des „Schäfflertanzes“, welcher in jener Zeit von dem Haus des so genannten „Himmelsschäfflers“ am Färbergraben seinen Auszug hielt und welches Haus mit der Nummer 20, dorstselbst gestanden hat. Im Jahre 1631 wurde es neu erbaut und mit dem Bilde: „Zwei Schäffler, ein Fass bindend“, versehen. Darunter stand folgende Inschrift:
„Hier ward es zum Himmelsschäffler genannt und es kam von hier aus der Schäfflertanz. Erbaut 1631. Renoviert 1. 1784, 2. 1821, 3. 1877.
Nach Recherchen des Fachvereins der Schäffler München wird der Münchner Schäfflertanz erstmals 1702 in den Archiven der Stadt München erwähnt.
Aus einem Schreiben gehthervor, dass die Schäfflerzunft beim Magistrat der Stadt München die Genehmigung zur Aufführung des Schäfflertanzes beantragt hat. Ein derartiger Antrag ist auch heute noch erforderlich. Über die Genehmigung zur Aufführung des Schäfflertanzes wird jeweils durch Stadtratsbeschluss entschieden. Außerdem müssen die einzelnen Tanzaufführungen beim Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt München angemeldet werden.

Signat vom 22.02.1702
Das Signat vom 22.02.1702 lautete:
Ein Wohledel und wohlweiser Rath der Churfürstichen Haupt- und Residenzstadt Munchen hat einem gesambten Handwerk der Schäffler alldas auf beschehen untertheniges Bitten, und anlangen umb dass derselben Gesölln mit Zuziehung beeder Churfürstl. Preuhaus Schäfllergesölln auf der Hörwerg und in anderwegs (gleich wie es andre Jahr geschehen) den gewöhnlichen Schäfflertanz halten derfen, per signatum zu bedeithen großgütigst anbefolchen, dass die Gesölln der gesambten Statt-Maister mit Zuziehung der Meister bey beeden Churfürstl. Preuheusern ihrer Gesölln den Schäfflertanz (wie es vor alters her gebreichig gewesen) miteinander halten, in wüdrigen fahl aber sich dessen die sambentlichen Gesölln zur Verhiettung anderer inconvenientien bei Straff 6 Rhsdler völlig enthalten sollen.
Warum wird der Schäfflertanz nur alle sieben Jahre aufgeführt?
Hierzu gibt es mehrere Vermutungen. Die gebräuchlichsten sind:
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Die Pest soll in früherer Zeit alle sieben Jahre verstärkt aufgetreten sein. Man hat gehofft, durch die Aufführung des Schäfflertanzes in diesem Rhythmus der Pest Einhalt gebieten zu können.
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Die Zahl sieben gilt in der Mythologie als Glückszahl. Es ist möglich, dass man aus diesem Grunde die Aufführung des Schäfflertanzes alle sieben Jahre wiederholt.
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In München gab es früher neben dem Schäfflertanz noch mehrere Handwerksbräuche (z. B. den Metzgersprung).
Man darf annehmen, dass die Schäffler nach einem bestimmten Zeitplan der Zünfte eingesetzt wurden und dass dieser Zeitplan auch dann beibehalten wurde, als andere Gesellenorganisationen ihre öffentlichen Darbietungen unterließen. Herzog Wilhelm IV gab damals aus Dankbarkeit den Schäfflern das Recht, alle sieben Jahre ihren Tanz aufzuführen.
In den Jahren 1730, 1746 und 1749 fanden nachweislich feste Tänze statt. Seit 1760 wird der Schäfflertanz alle sieben Jahre auf geführt. In diesem Jahr ist der 7-jährige Turnus in den kurfürstlichen Kabinettsrechnungen nachweisbar. Es wird hier vom „alle sieben Jahre zur Fastnachtszeit gewöhnlichen öffentlichen Reiftanz“ gesprochen.
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