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Über acht Monate probten Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund das Stück Moses unter der Leitung von Regisseurin Jessica Klause, die viel authentischen Stoff der Darsteller in das Stück einfliessen ließ. Das musikalische Konzept stammt aus der Feder von Benedikt Brachtel – sein zweites Werk für die Staatsoper.

„… auch wir gingen durch die Wüste. Wir sind nicht Moses doch ist die Geschichte Moses wir. “ Den Leitfaden durch das Stück bilden die Überlieferungen aus dem zweiten Buch Moses: „Von Elim am Schilfmeer brechen die Israeliten durch die Wüste Sin zum Sinai auf;“ … wie ergeht es heute den Flüchtlingen in Deutschland? Algerien ist die Drehscheibe für Menschenschmuggel und Libyen – hochgepriesen für wunderschöne Wüstenerlebnisse im Urlaub. Flüchtlinge aus diesem Land berichten im Stück, dass dies wohl ein anderer Platz als ihre Heimat sein müsste. Sie gingen auch durch den Sand und würden freiwillig nicht wieder zurückkehren. Dies ist eine der Szenen, die uns das Fühlen der Geflüchteten näherbringen und uns einiges mehr verstehen lassen. Die Musik zum Stück untermalt das Gefühlsleben, Religion und die Lebenseinstellung der DarstellerInnen und bringt uns ein weiteres Gefühl näher zu den geflüchteten Kulturen. Lena Kühn aus Deutschland und Unity Oköje aus Nigeria stechen besonders durch ihre Stimme und Solo hervor. Ein großer Teil der Musik stammt aus der eigenen Feder von Benedikt Brachtel. Anfangs sollte die Musik der Oper Mosé in Egitto von Rossini verwendet werden. Die letztendliche Musik entstand parallel zum Probenprozess. Benedikt Brachtel legte großen Wert, die TeilnehmerInnen des Projekts kennenzulernen, die musikalischen Interessen und Fähigkeiten zu erkunden, um auf dieser Basis die Musik authentisch zu komponieren. So entstand ein Klangteppich, der Emotionen erfahrbar machen lässt und Geschichten erzählt.

„Moses, der den Menschen die 10 Gebote offebart, wird immer wieder verstanden als eine Symbolfigur für die Forderung allgemeingültiger Menschenrechte. Von der Verwirklichung dieser Idee sind wir aber noch weit entfernt“ so die Regisseurin des Stückes Jessica Klause.

Was in unserer Gesellschaft geschehen sollte, das schaffte das Ensemble dieses Stückes. Während der Probenzeit entstanden starke freundschaftliche Bindungen und Verständnis untereinander. Deutsche, Syrier, Algerier, Guinea, Nigeria, Iran und andere Länder verschiedener Kulturen, Sprachen und Religion entwickelten ein gemeinsames Projekt. Das Miteinander konnte man als Zuschauer spüren und erleben und könnte für uns alle ein Vorbild sein.

Moses ist noch bis 20.12.2017 zu sehen. Wer sich für die Hintergründe und Geschichten unserer Geflüchteten interessiert, der sollte dieses Werk auf keinen Fall verpassen.

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Fotos von der Vorstellung in meiner Bildergalerie – widmann.fotograf.de

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