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Tipps zum Festivalbesuch: Daina Ashbee und VA Wölfl NEUER TANZ

Gestern am Sonntag, 14.05.2017 hatte Daina Ashbees verstörendes Stück Unrelated über das Verschwinden indigener Frauen und Mädchen in Kanada seine Deutschlandpremiere, heute ist die Arbeit der jungen Choreografin noch einmal bei DANCE zu erleben:

Mo, 15. Mai, 19 Uhr, Kammer 2.
Restkarten über die Kammerspiele und an der Abendkasse.
Im Anschluss an die Vorstellung diskutiert Daina Ashbee im Künstlergespräch mit dem Publikum.

Unreleated Dance Festival München

Daina Ashbee: Unrelated © Daina Ashbee

Auf dem Boden der Kammer 2 liegt eine Tänzerin auf dem Rücken, nackt, Arme und Beine leicht von sich gestreckt: […] Ein tiefes Dröhnen schleicht sich aus dem Nichts in den Raum, wird lauter und legt sich über uns. Die Tänzerin hebt ihre Brust, wir können ihre Halsschlagader pulsieren sehen. Das alles hat – das merkt man sofort – nichts Gutes zu verheißen. Und es dauert nicht lange, bis wir Bilder sehen, die wir nicht anders lesen können, als explizite Symboliken sexueller Gewalt. Die weiße Wand im Rücken der Bühne wird gleichzeitig Zufluchtsort und Objekt der aggressiven Ent- und Aufladung, wenn sich die Performerin mit all ihrer Kraft gegen sie wirft. Ihr Körper wird dabei zum Austragungsort ambivalenter Gefühle zwischen Wut, Selbstbehauptung und Selbsthass – die Haare zum Vorhang, hinter dem sie ihr Gesicht versteckt.

[…] Daina Ashbee findet eine Sprache, die der Ernsthaftigkeit der Angelegenheit gerecht wird und gleichzeitig poetisch genug ist, uns nicht nur zu schockieren, sondern auch zu berühren. Dabei lässt sie keinen Moment zu, in dem wir uns aus der Verantwortung ziehen können, denn der Blick ist immer ein gegenseitiger, nie ein ausschließlich voyeuristischer. Wir schauen und wir werden angesehen. Und zwar hauptsächlich von der zweiten Tänzerin, die erst etwas später hinzukommt. Sie schaut nicht einfach in die Masse, sie adressiert uns individuell. Sie kommt ganz nah heran, und wir spüren gleich: wir sind gemeint. Doch wir müssen keine Angst haben, denn ihr Blick ist nicht vorwurfsvoll, sondern offen und durchlässig, ohne Ironie und Aufforderung. […] Am Ende traut sich erstmal keiner zu klatschen. Schwer. Aber genau darum geht es: Dass es schwer ist für uns, weil es schwer ist und wahr für so viele andere. Daina Ashbee deutet mit ihrem Stück nicht auf die Wunden der Opfer, sondern auf unsere eigenen – das tausendfache Wegschauen, das so viel leichter ist.

Autorin: Carmen Kovacs. Weitere Blogs unter: www.dance-muenchen.de

dance Festival München
VA Wölfl NEUER TANZ: von mit nach t: No 2 © Daniel Poensgen

Ab Dienstag ist dann Altmeister VA Wölfl mit seinem Avantgarde-Ensemble NEUER TANZ in der Muffathalle beim DANCE-Festival zu Gast. Konsequent interdisziplär, politisch und sozialkritisch sein neuestes Stück:
von mit nach t: No 2. Ein ästhetisches Happening, das die Erschießung Robert Kennedys nachstellt, Le Corbusiers Farbklaviaturen erklingen lässt und immer wieder zum Cha-Cha-Cha bittet.

Dienstag, 16. Mai & Mittwoch, 17. Mai, 21 Uhr
Muffathalle
Karten
Künstlergespräch am 16. Mai im Anschluss an die Vorstellung

Das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München DANCE findet vom 11. bis 21. Mai in seiner 15. Ausgabe statt.
Karten sind über München Ticket: www.muenchenticket.de, Tel. 089 54 81 81 81 erhältlich sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Die Kartenpreise für die Vorstellungen liegen je nach Veranstaltungsort und Dauer zwischen 5 und 37 Euro.

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