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Vier Uraufführungen im Prinzregententheater erwarten den Besucher der Opernfestspiele München. Weitere Aufführungen: Do und Fr 05. und 06. Juli jeweils 20 Uhr.

Am Mittwoch, den 4. Juli 2018, um 20 Uhr feierten die Jungen Choreographen 2018 im Rahmen der Opernfestspiele mit vier Uraufführungen Premiere im Prinzregententheater. Gemeinsam mit Tänzern der Münchner Kompanie bestreiten dieses Jahr Menghan Lou vom Nederlands Dans Theater, Štěpán Pechar vom Czech National Ballet in Prag, Peter Walker vom New York City Ballet und Dustin Klein vom Bayerischen Staatsballett das Programm.

Für mich sind diese vier Stücke eine tänzerische Reise durch unsere verborgenen Wahrheiten. Es geht in jedem dieser Stücke um Qualitäten unserer Gegenwart. Wie gehen wir mit unseren Resourcen und unserer Lebenszeit um, was ist Heimat und welchen Einfluss haben Reisen auf unser Leben, machen wir uns darüber Gedanken, welche Folgen unser Konsum für Tier und Umwelt haben und können wir mit all diesen Hintergründen die wahre Muße der leichten Perfektion in seiner ganzen Freiheit genießen?

Štěpán Pechar – WASTE

Seit 2015 ist Štěpán Pechar (*1987) Mitglied des Tschechischen Nationalballetts und Co-Direktor der Prager Modern Dance Company DEKKADANCERS. Seine Choreographien zeichnen sich durch seinen risikoreichen, stark körperbetonten Stil aus, der die physischen Grenzen der Machbarkeit auslotet. Waste, ein Stück für zehn Tänzer, thematisiert nicht nur die Vermüllung unseres Planeten, sondern auch die Verschwendung unserer so wertvollen Zeit und Lebensenergie. Denn was Štěpán Pechar umtreibt, sind die wirklich wichtigen Fragen: Wie will ich leben und wie arbeiten? Was hat Priorität?

Waste beginnt romantisch. Fast wie Romeo und Julia. Nichts lenkt die Gefühle der Zweisamkeit ab. Ein leerer Raum im zeitlosem Miteinander.  Eine Tänzerin nähert sich dem Paar und ihr folgen weitere TänzerInnen auf die Bühne. Es wird hektischer, voller – Müllbeutel füllen die Bühne und engen den vorhandenen Raum ein. Thematisch setzt das Stück auf die Verschwendung von Zeit und Material. Lenken uns Schmutz, Müll und Überfluss vom Wesentlichen ab? Das anfangs mit Leichtigkeit tänzelnde Paar wird durch das hektische Treiben immer weiter getrennt und bricht am Ende im Berg der vielen Plastikbeutel erschöpft und verzweifelt zusammen.

Menghan Lou – to & from

Bevor der aus China stammende Menghan Lou (*1983) die Entscheidung fällte, sich ausschließlich auf die choreographische Arbeit zu konzentrieren, tanzte er von 2007 bis 2015 am Nederlands Dans Theater. Mit dem Titel To & From zirkelt seine jüngste und erste Arbeit für das Bayerische Staatsballett um das Thema „Home“ – wo ist zuhause, was bedeutet Heimat? Aus einer eher theatralen Situation heraus erschafft er tänzerische Dialoge, physische Verhandlungen, in denen acht Tänzer zu dem extra für dieses Stück komponierten Sounddesign von Thijs Scheele nach innerer Versunkenheit zueinander fliehen, in engem Kontakt aufeinander reagieren.

TO & FROM beschäftigt sich mit Reisen und Heimat. Stühle symbolisieren das Ankommen. Im Lichtkreis der Bühne wechseln Szenen von Dynamik, Spannung, Unterwegs sein, sich treffen, auseinandergehen und wieder heimkommen. Schattenspiele unterstreichen die Ausdrucksweise der TänzerInnen. Wo ist heute Heimat für jeden Einzelnen? Ist es noch der Geburtsort und das Land in dem man großgeworden ist? Wonach sehnen sich die Menschen?

Dustin Kleins – Abferkeln

Nach seinem poetischen Mama, ich kann fliegen (Junge Choreographen 2017) sind Humor, Aggressivität und Brüche die drei Schlagworte von Dustin Kleins (*1986) neuem Stück ABFERKELN. Für den Halbsolisten des Bayerischen Staatsballett war dieses Mal George Orwells Animal Farm Inspiration für seine Arbeit. Hier setzen sich unter anderem fünf Tänzer und ein Schauspieler mit dem Motto „Mach Leben zu Mittel“ auseinander. Zur Musik von Matthew Herberts Sample-Stück One Pig kombiniert er Tanz, Texte und visuelle Effekte in einer dynamischen Kunstinstallation.

Abferkeln von Dustin Klein beleuchtet sachlich die heutige Fleischgewinnung in der Schweinezucht. Beginnend mit den Hintergründen der Besamung und “Einrichtung” der Ferkel bringt Dustin Kleins das Publikum tänzerisch gekonnt den gesamten Prozess bis zur Wurstverwertung näher. Für mich war es auch eine Auseinandersetzung mit den heutigen Wertedruck. Was zählt mehr – Umsatz und Vorschriften oder ein Lebewesen mit seinen natürlichen Bedürfnissen und der menschlich intelligente Instinkt für richtiges Handeln? Im Eifer unserer täglichen Beschäftigung führen wir aus und schauen weg, wo wir eigentlich genauer hinterfragen sollten. Abferkeln weckt auf darüber nachzudenken, welche Geschichten hinter dem  sauber in Plastik verpackten Fleisch stecken. Ich bin mir sicher, nach diesem Stück werden Sie mit anderem Bewusstsein um die Fleischtheke streichen. Ein wertvoller Beitrag für den Tierschutz. Ich hoffe, dass viele Menschen in den Genuss von “Abferkeln” kommen.

Peter Walker – consonance tempo giusto

Weniger narrativ und vielmehr abstrakt ist die Kreation von Peter Walker (*1992). Geboren in Florida, begann Peter Walker als Achtjähriger mit dem Tanzen. Seit 2013 ist er Corps-de-Ballet–Mitglied des New York City Ballet und choreographierte für diese Kompanie unter anderem die Werke ten in seven (2016) oder dance odyssey (2018). Für das Bayerische Staatsballett setzt er ein Arrangement für Cello des britischen Komponisten Oliver Davis für fünf Tänzer in einer visuellen Darstellung um und konzentriert sich dabei in erster Linie auf die reine Bewegung.

Eine wahre Muße der leichten Perfektion in seiner ganzen Freiheit. Ballett in seiner höchsten Reinform.

Termine:
Mi, 04. Juli 2018, 20.00 Uhr, Prinzregententheater Premiere
Do, 05. Juli 2018, 20.00 Uhr, Prinzregententheater
Fr, 06. Juli 2018, 20.00 Uhr, Prinzregententheater

 

Das Programm auf der Webseite des Bayerischen Staatsballetts

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